Die 9 Eskalationsstufen nach Glasl einfach erklärt
Benedikt Loser · aktualisiert am 2.11.2026 · Lesezeit ca. 11 Minuten · Konflikte
Kaum ein Konflikt beginnt mit einem Knall. Er beginnt mit einer Bemerkung, die hängen bleibt. Mit einem Satz, der zu scharf war. Mit einem Thema, das man lieber nicht anspricht. Und dann, Schritt für Schritt, wird aus einer Meinungsverschiedenheit ein Gegeneinander, bei dem es irgendwann nicht mehr um die Sache geht, sondern nur noch um den anderen. Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat diesen Weg in neun Stufen beschrieben. Die Eskalationsstufen nach Glasl sind kein Urteil über Menschen, sondern eine Landkarte: Sie zeigen, wo ein Konflikt gerade steht, welche Dynamik ihn vorantreibt und was auf der jeweiligen Stufe noch möglich ist.
Genau das macht das Modell so nützlich. Wer die Stufen kennt, erkennt früher, dass etwas kippt. Und wer früh erkennt, hat mehr Handlungsspielraum. In diesem Beitrag erfährst du, was hinter den neun Stufen steckt, wie ein Alltagskonflikt sie durchläuft, woran du merkst, dass es eskaliert, und was aus Sicht der Gewaltfreien Kommunikation hilft, rechtzeitig umzusteuern.
Das Wichtigste in Kürze
- Friedrich Glasl beschreibt die Eskalation eines Konflikts in neun Stufen, die sich zu drei Phasen bündeln: Win-win (Stufe 1 bis 3), Win-lose (Stufe 4 bis 6) und Lose-lose (Stufe 7 bis 9).
- In den ersten drei Stufen geht es noch um die Sache und eine gemeinsame Lösung scheint möglich. Ab Stufe 4 wird der Konflikt persönlich, ab Stufe 7 nehmen beide Seiten eigenen Schaden in Kauf.
- Das Modell dient der Orientierung, nicht der Diagnose. Wichtiger als die exakte Stufe ist die Frage: Wohin bewegt sich der Konflikt, und was kann ich jetzt tun?
- In frühen Stufen reichen oft Selbstklärung und ein direktes Gespräch. Je weiter ein Konflikt eskaliert, desto wichtiger wird Unterstützung von aussen.
- Aus Sicht der Gewaltfreien Kommunikation beginnt die Eskalation dort, wo Menschen auf Positionen bestehen, statt über ihre Bedürfnisse zu sprechen.
- Deeskalieren heisst: innehalten, Beobachtung von Bewertung trennen, das eigene Bedürfnis klären und dem anderen zuhören. Das lässt sich lernen.

Höre dazu
unseren
Podcast
Höre dazu unseren Podcast: Gespräche über Beziehung, Empathie und Kommunikation.
- Was sind die Eskalationsstufen nach Glasl?
- Die drei Phasen der Konflikteskalation
- Die 9 Stufen im Überblick
- Ein Beispiel aus dem Alltag
- Woran erkenne ich, dass ein Konflikt eskaliert?
- Wann kann ich noch selbst lösen?
- Was hilft beim Deeskalieren?
- Eskalationsstufen und Gewaltfreie Kommunikation
- Konfliktkompetenz lernen
- Häufige Fragen
Was sind die Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl?
Friedrich Glasl, geboren 1941 in Wien, ist Organisationsberater, Mediator und einer der bekanntesten Konfliktforscher im deutschsprachigen Raum. Sein Buch «Konfliktmanagement» erschien erstmals 1980 und gilt bis heute als Standardwerk. Darin beschreibt er, dass Konflikte nicht einfach «da» sind, sondern einer Dynamik folgen: Sie eskalieren in erkennbaren Schritten, und jeder Schritt verändert, was die Beteiligten noch wahrnehmen und was sie sich noch zutrauen.
Die Glasl Eskalationsstufen ordnen diesen Verlauf in neun Stufen, von der ersten Verhärtung bis zum gemeinsamen Absturz. Entscheidend ist dabei das Bild der Treppe nach unten: Jede Stufe engt den Blick weiter ein. Was auf Stufe 1 noch ein Unterschied in der Sache ist, wird auf Stufe 5 zu einem Angriff auf die Person und auf Stufe 8 zum Versuch, den anderen zu zerstören. Die Konfliktstufen nach Glasl helfen, diese Verengung zu erkennen, bevor sie unumkehrbar wird.
Wichtig ist, was das Modell nicht ist: keine Schublade für Menschen und kein Wettbewerb darum, wer «weiter unten» ist. Glasl selbst betont, dass die Stufen Orientierung geben sollen, welche Form der Unterstützung noch wirkt. Für den Alltag heisst das: Die Stufe zu kennen ist hilfreich. Die Richtung zu ändern ist das Ziel.
Die drei Phasen der Konflikteskalation
Glasl fasst die neun Stufen zu drei Phasen zusammen. Der Name jeder Phase beschreibt, was die Beteiligten auf dieser Höhe noch für möglich halten.
Stufe 1 bis 3: Win-win
Beide Seiten gehen noch davon aus, dass es eine Lösung gibt, mit der alle leben können. Es wird gestritten, aber um die Sache. Gespräche sind möglich, auch wenn sie anstrengend werden. Glasl nennt diese Phase auch «Pseudo-Win-win», weil die Hoffnung auf eine gemeinsame Lösung noch da ist, die Mittel aber bereits härter werden.
Stufe 4 bis 6: Win-lose
Jetzt geht es ums Gewinnen. Der andere wird zum Gegner, seine Motive werden angezweifelt, Verbündete werden gesucht. Beide Seiten glauben, dass nur einer gewinnen kann, und wollen sicherstellen, dass sie es sind. Die Sache tritt in den Hintergrund, die Beziehung steht im Zentrum, und zwar als Kampf.
Stufe 7 bis 9: Lose-lose
Die Hoffnung auf einen eigenen Gewinn ist aufgegeben. Es reicht, wenn der andere verliert, selbst wenn man dabei ebenfalls Schaden nimmt. Auf diesen Stufen ist ohne Hilfe von aussen kaum noch ein Ausstieg möglich. Im privaten Umfeld sieht man sie bei verbitterten Trennungen, im Beruf bei Rechtsstreitigkeiten, die beide Seiten ruinieren.
Die 9 Eskalationsstufen nach Glasl im Überblick
Jede Stufe hat ihre eigene Logik und ihre typischen Anzeichen. Lies die Beschreibungen nicht als Checkliste, sondern als Frage: Erkenne ich davon etwas in einem Konflikt, in dem ich gerade stecke?
Phase 1: Win-win
Stufe 1: Verhärtung
Standpunkte prallen aufeinander und verhärten sich. Man merkt, dass man sich nicht einig ist, und spürt erste Spannung. Typische Anzeichen: Das gleiche Thema kommt immer wieder, und beide wiederholen ihre Argumente lauter statt anders. Noch gilt: Gespräche sind möglich, und beide glauben, dass der Knoten sich lösen lässt.
Stufe 2: Debatte und Polemik
Aus dem Austausch wird ein Schlagabtausch. Jeder will recht haben, Argumente werden zu Waffen, und Schwarz-Weiss-Denken setzt ein: Ich habe recht, du liegst falsch. Typische Anzeichen: Man redet, um zu gewinnen, nicht um zu verstehen. Sätze beginnen mit «Du immer» oder «Du nie».
Stufe 3: Taten statt Worte
Reden bringt nichts mehr, denkt man, also handelt man. Fakten werden geschaffen, Absprachen umgangen, Informationen zurückgehalten. Typische Anzeichen: Das Gespräch wird vermieden, Entscheidungen werden ohne den anderen getroffen. Das Vertrauen in Worte schwindet, die Deutung von Handlungen wird misstrauisch.
Phase 2: Win-lose
Stufe 4: Images und Koalitionen
Der Konflikt wird persönlich. Vom anderen entsteht ein festes Bild: Er ist unzuverlässig, sie ist machthungrig. Man sucht Verbündete und erzählt die eigene Version der Geschichte. Typische Anzeichen: Lager bilden sich, Dritte werden hineingezogen, und was der andere tut, wird nur noch durch das Negativbild gedeutet.
Stufe 5: Gesichtsverlust
Jetzt soll der andere blossgestellt werden, am besten öffentlich. Es geht nicht mehr darum, in der Sache zu gewinnen, sondern darum, dem anderen die Glaubwürdigkeit zu nehmen. Typische Anzeichen: Angriffe vor Dritten, Vorwürfe zu Charakter und Moral, «Jetzt zeigt er sein wahres Gesicht». Der Bruch ist oft offen.
Stufe 6: Drohstrategien
Drohungen und Ultimaten bestimmen das Geschehen: «Wenn du nicht, dann». Beide Seiten demonstrieren Macht, um Kontrolle zurückzugewinnen, und müssen ihre Drohungen immer glaubwürdiger machen. Typische Anzeichen: Fristen, Konsequenzen, Androhung von Trennung, Kündigung oder Anwalt. Der Stress ist hoch, der Überblick gering.
Phase 3: Lose-lose
Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge
Der andere wird nicht mehr als Mensch gesehen, sondern als Hindernis, das es zu beseitigen gilt. Man schadet ihm gezielt, auch wenn man selbst Nachteile hat. Hauptsache, der Schaden beim anderen ist grösser. Typische Anzeichen: Sabotage, gezielte Verletzungen, der eigene Verlust wird als Preis akzeptiert.
Stufe 8: Zersplitterung
Ziel wird, die Gegenseite als Ganzes zu zerstören: ihre Unterstützer, ihre Existenzgrundlage, ihren Rückhalt. Man will sie nicht mehr nur schwächen, sondern handlungsunfähig machen. Typische Anzeichen: Angriffe auf das Umfeld, auf die Position, auf alles, was dem anderen Halt gibt.
Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund
Die Vernichtung des anderen ist wichtiger als die eigene Rettung. Selbst erheblicher eigener Schaden wird in Kauf genommen, wenn der andere mit untergeht. Typische Anzeichen: totaler Kampf ohne Rücksicht auf Folgen. Hier gibt es keine Gewinner mehr, nur noch die Frage, wer mehr verliert.
Warum Positionen nicht weiterführen
Schaut man sich die neun Stufen genau an, fällt auf, was die Abwärtsbewegung antreibt: das Bestehen auf Positionen. Auf Stufe 1 sagt jemand «Ich will, dass wir es so machen», auf Stufe 2 «Es gibt nur diesen Weg», auf Stufe 6 «Entweder du machst es so, oder». Die Position wird immer starrer, und mit jeder Stufe wird es schwieriger, davon abzurücken, weil es sich wie ein Gesichtsverlust anfühlt.
Aus Sicht der Gewaltfreien Kommunikation und aus unserer Erfahrung bei Fokus Empathie liegt genau hier der entscheidende Punkt: Eine Verhärtung auf Positionen führt immer zu Trennung und zum Abbruch der Verbindung, nie zu einem echten Win-win. Denn Positionen widersprechen sich fast immer, Bedürfnisse nicht. Wer «Ich will ans Meer» gegen «Ich will in die Berge» stellt, hat zwei Strategien, die sich ausschliessen. Wer fragt, was beide brauchen, findet vielleicht Erholung, Weite und gemeinsame Zeit, und dafür gibt es mehr als zwei Wege. Mehr dazu im Beitrag Was ist ein Kompromiss?.
Verhandlungsansätze wie das Harvard-Konzept oder die interessenbasierte Verhandlung («interest based negotiation») kommen zum selben Schluss: hart in der Sache, weich zu den Menschen, und statt um Positionen zu feilschen, die Interessen dahinter auf den Tisch bringen. Die GFK geht einen Schritt tiefer und fragt nach den Bedürfnissen, die hinter den Interessen liegen. Deshalb ist für uns klar: Wichtiger als die Analyse der aktuellen Eskalationsstufe ist die Fähigkeit, zu deeskalieren. Und das Mittel dazu, das wir kennen und lehren, ist die Gewaltfreie Kommunikation.
Eskalationsstufen nach Glasl: Ein Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir ein Team mit zwei Kolleginnen, Lea und Mara, die sich ein Projekt teilen. Stufe 1: Lea will die Präsentation früh fertig haben, Mara will bis zum Schluss am Inhalt feilen. Sie reden darüber, einigen sich nicht, und die Spannung bleibt im Raum. Stufe 2: In der nächsten Sitzung wird debattiert: «Du bist immer zu spät dran.» «Du bist immer so oberflächlich.» Beide wollen recht haben. Stufe 3: Lea schickt die Präsentation ohne Rücksprache an die Chefin. Mara erfährt es aus dem Verteiler.
Stufe 4: Mara erzählt in der Kaffeepause, dass auf Lea kein Verlass sei. Lea hört davon und sucht sich ebenfalls Verbündete. Stufe 5: Im Teammeeting sagt Lea vor allen: «Mit Mara kann man nicht zusammenarbeiten, das wissen hier alle.» Stufe 6: Mara geht zur Chefin: «Entweder Lea verlässt das Projekt, oder ich.» Von hier aus ist der Weg zu Stufe 7 kurz: Krankmeldungen, Beschwerden bei HR, gezielte Fehlinformationen. Aus einer Meinungsverschiedenheit über einen Abgabetermin ist ein Beziehungskonflikt geworden, in dem beide verlieren.
Das Eskalationsstufen nach Glasl Beispiel zeigt zweierlei. Erstens: Jede Stufe hätte einen Ausstieg gehabt. Zweitens: Der früheste Ausstieg war der einfachste. Auf Stufe 1 hätte eine Frage genügt: «Was ist dir wichtig, wenn du bis zum Schluss feilen willst?» Vermutlich Qualität und Sorgfalt. Und bei Lea Verlässlichkeit und Ruhe vor dem Termin. Für beides zusammen gibt es Lösungen. Für «früh» gegen «spät» gibt es keine.
Woran erkenne ich, dass ein Konflikt eskaliert?
Du musst die Stufe nicht exakt bestimmen. Es reicht, die Richtung zu spüren. Typische Warnsignale: Gespräche drehen sich im Kreis, und jeder wiederholt seine Argumente. Bewertungen nehmen zu: Aus «Das stört mich» wird «Du bist unmöglich». Es bilden sich Lager, und du erzählst anderen deine Version, statt mit dem Betroffenen zu reden. Du beginnst, das Gespräch zu vermeiden, und deutest jede Handlung des anderen durch dein Bild von ihm. Und irgendwann tauchen Drohungen auf, offen oder verdeckt: «Dann weiss ich auch nicht mehr, was ich hier noch soll.»
Das vielleicht wichtigste Signal ist ein inneres: Du denkst mehr über den anderen nach als über die Sache. Wenn du merkst, dass du dir nachts Sätze zurechtlegst, mit denen du gewinnst, bist du vermutlich schon über Stufe 2 hinaus. Das ist kein Grund zur Scham, sondern eine Information. Frühzeitige Wahrnehmung ist wertvoller als jede Diagnose, denn sie gibt dir die Wahl zurück.


Wann kann ein Konflikt noch selbst gelöst werden?
In der ersten Phase, also auf den Stufen 1 bis 3, ist Selbstklärung und ein direktes Gespräch meistens noch gut möglich. Die Beteiligten können einander noch zuhören, auch wenn es Mühe macht, und das Vertrauen ist angeknackst, aber nicht zerstört. Hier lohnt es sich, selbst aktiv zu werden: das Thema ansprechen, bevor es sich festsetzt, und das eigene Bedürfnis so klar benennen, dass der andere es hören kann.
Ab Stufe 4 wird es schwieriger, weil die Bilder voneinander das Zuhören blockieren. Oft hilft hier eine dritte Person, der beide vertrauen: eine Moderation, ein Coaching, eine Mediation. Ab Stufe 7 ist professionelle Unterstützung in der Regel unverzichtbar, und manchmal geht es nur noch darum, den Schaden zu begrenzen. Die Faustregel lautet: Je weiter ein Konflikt eskaliert ist, desto wichtiger wird Hilfe von aussen, und desto früher sollte man sie holen. Unterstützung anzunehmen ist kein Versagen, sondern ein Zeichen, dass einem die Beziehung noch etwas wert ist.
Was hilft dabei, Konflikte frühzeitig zu deeskalieren?
Innehalten. Bevor du antwortest, einmal durchatmen. In diesem Moment entscheidet sich, ob du reagierst oder antwortest. Wahrnehmung von Bewertung trennen. «Du hast die Präsentation ohne mich verschickt» ist eine Beobachtung. «Du übergehst mich ständig» ist eine Bewertung, und die zündet die nächste Stufe. Das eigene Bedürfnis klären. Worum geht es mir wirklich? Um Verlässlichkeit, um Mitsprache, um Anerkennung? Wer das weiss, kann es sagen, statt es zu fordern.
Zuhören und nachfragen. Hinter dem Vorwurf des anderen steckt fast immer ein Bedürfnis, das ungeschickt verpackt ist. Frag danach, statt zu verteidigen. Schwierige Themen früh ansprechen. Die meisten Konflikte eskalieren nicht, weil jemand zu viel gesagt hat, sondern weil zu lange geschwiegen wurde. Bei Fokus Empathie erleben wir in Seminaren immer wieder: Der Moment, in dem jemand sein Bedürfnis statt seiner Position ausspricht, verändert den Raum. Die Verhärtung löst sich, weil plötzlich ein Mensch sichtbar wird und nicht mehr nur ein Gegner.
Eskalationsstufen und Gewaltfreie Kommunikation
Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg setzt genau an den Mechanismen an, die Glasls Treppe antreiben. Ihre vier Schritte, Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte, sind das Gegenteil von Debatte und Polemik: Statt zu bewerten, beschreibe ich, was ich wahrnehme. Statt vorzuwerfen, sage ich, was ich fühle und brauche. Und statt zu fordern, bitte ich, und lasse dem anderen die Wahl. Wie das konkret klingt, zeigt der Beitrag Gewaltfreie Kommunikation: Beispiele und Übungen für den Alltag.
Besonders wirksam ist die GFK in den frühen Konfliktphasen, wenn Vorwürfe noch nicht zu Feindbildern geworden sind. Hier kann sie Vorwürfe reduzieren und Bedürfnisse sichtbar machen, und zwar auf beiden Seiten. Ehrlich ist aber auch: Hoch eskalierte Konflikte, in denen jemand gezielt schaden will, lassen sich nicht allein mit einer Gesprächshaltung lösen. Dort braucht es Rahmen, Schutz und oft professionelle Begleitung. Die GFK bleibt auch dann die beste Grundlage, die wir kennen, um wieder ins Gespräch zu kommen, sobald das Gegenüber dazu bereit ist. Die Grundlagen findest du im Beitrag Was ist Gewaltfreie Kommunikation?, die vier Schritte im Beitrag Gewaltfreie Kommunikation: 4 Schritte einfach erklärt.
Die Stufe zu kennen ist hilfreich. Die Richtung zu ändern ist das Ziel. Glasls Modell zeigt, wie Konflikte eskalieren. Die Gewaltfreie Kommunikation zeigt, wie sie wieder zu Gesprächen werden: indem Positionen zu Bedürfnissen werden und Vorwürfe zu Bitten.
Konfliktkompetenz kann man lernen
Konfliktdynamiken früh zu erkennen, die eigene Reaktion zu verstehen und ein schwieriges Gespräch konstruktiv zu führen, sind keine Charaktereigenschaften, sondern Fähigkeiten. Und Fähigkeiten lassen sich trainieren, am besten an echten Situationen. In unserem Konfliktmanagement-Kurs arbeitest du mit Konflikten aus deinem eigenen Alltag: Du lernst, die Eskalation zu erkennen, bevor sie dich mitreisst, deine Bedürfnisse zu klären, statt auf Positionen zu bestehen, und so zu sprechen, dass der andere zuhören kann.
Wer das übt, merkt schnell: Konflikte verschwinden nicht, aber sie verlieren ihren Schrecken. Aus «Hoffentlich kommt das Thema nicht auf» wird «Ich weiss, wie ich es ansprechen kann». Das ist Konfliktkompetenz. Einen Überblick über alle Seminare findest du unter Seminare.
Häufig gestellte Fragen zu den Eskalationsstufen nach Glasl
Ein Modell des Konfliktforschers Friedrich Glasl, das beschreibt, wie Konflikte sich in neun Schritten verschärfen: Verhärtung, Debatte und Polemik, Taten statt Worte, Images und Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien, begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung und gemeinsam in den Abgrund. Jede Stufe verengt den Blick der Beteiligten weiter und macht den Ausstieg schwieriger.
Win-win (Stufe 1 bis 3): Beide glauben noch an eine gemeinsame Lösung. Win-lose (Stufe 4 bis 6): Es geht ums Gewinnen, der andere wird zum Gegner. Lose-lose (Stufe 7 bis 9): Der eigene Schaden wird in Kauf genommen, Hauptsache der andere verliert mehr.
Friedrich Glasl, österreichischer Organisationsberater, Mediator und Konfliktforscher, geboren 1941. Er hat das Modell in seinem Buch «Konfliktmanagement» beschrieben, das 1980 erstmals erschien und seither in vielen Auflagen aktualisiert wurde.
Zwei Kolleginnen streiten über einen Abgabetermin (Stufe 1), werfen sich gegenseitig Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit vor (Stufe 2), eine schickt die Arbeit ohne Rücksprache weiter (Stufe 3), beide suchen Verbündete im Team (Stufe 4), greifen sich im Meeting öffentlich an (Stufe 5) und stellen der Chefin ein Ultimatum (Stufe 6). Aus einer Sachfrage ist ein Beziehungskonflikt geworden.
Als Faustregel ab Stufe 4, wenn der Konflikt persönlich wird und Lager entstehen. Dann hilft eine dritte Person, der beide vertrauen, etwa in Form von Moderation, Coaching oder Mediation. Ab Stufe 7 ist professionelle Unterstützung in der Regel unverzichtbar. Grundsätzlich gilt: Je früher Hilfe geholt wird, desto mehr Handlungsspielraum bleibt.
Innehalten, bevor man reagiert. Beobachtung von Bewertung trennen. Das eigene Bedürfnis klären und aussprechen, statt auf einer Position zu bestehen. Dem anderen zuhören und nach dem Bedürfnis hinter seinem Vorwurf fragen. Schwierige Themen früh ansprechen. Genau diese Schritte vermittelt die Gewaltfreie Kommunikation, und sie wirken am besten in den frühen Stufen.
Fazit: Je früher wir Eskalation erkennen, desto mehr Handlungsspielraum bleibt
Die Eskalationsstufen nach Glasl sind keine Schublade für Menschen, sondern eine Orientierung: Sie zeigen, welche Dynamik einen Konflikt gerade antreibt und was auf dieser Höhe noch möglich ist. Wer die Treppe kennt, merkt früher, dass es abwärts geht, und kann umsteuern, bevor aus einem Unterschied in der Sache ein Kampf um die Person wird. Das Mittel dazu ist nicht die Analyse der Stufe, sondern die Fähigkeit, Positionen loszulassen und über Bedürfnisse zu sprechen. Genau das lässt sich lernen.
Konflikte früher erkennen und klar bleiben: üben, nicht nur lesen?

Du möchtest Konflikte früher erkennen und lernen, auch in schwierigen Situationen klar und verbunden zu bleiben? In unseren Konfliktmanagement-Kursen arbeitest du mit konkreten Situationen und entwickelst deine Konfliktkompetenz praktisch weiter. Oder du beginnst mit einem kostenlosen Erstgespräch.
Über den Autor

Benedikt Loser
Benedikt Loser ist Co-Gründer von Fokus Empathie, zertifizierter GFK-Trainer, Assessor für das CNVC, Coach und Therapeut. Seit 2012 begleitet er Menschen, Teams und Organisationen auf dem Weg zu mehr Klarheit, Selbstverantwortung und Verbindung.


