Feedback geben: So gelingt konstruktives Feedback ohne Verletzungen

Benedikt Loser · aktualisiert am 15.10.2026 · Lesezeit ca. 16 Minuten · Beziehung & Kommunikation

Konstruktives Feedback geben heisst: beschreiben, was du konkret beobachtet hast, sagen, was es bei dir auslöst und was dir wichtig ist, und dann um etwas Bestimmtes bitten – statt die Person zu bewerten. Feedback verletzt, wenn es als Urteil über den Menschen ankommt («Du bist unzuverlässig»). Es wirkt, wenn es über ein Verhalten spricht, aus der eigenen Perspektive formuliert ist und dem Gegenüber die Wahl lässt, wie es damit umgeht.

Feedback geben gehört zu den Dingen, die alle für wichtig halten und die trotzdem fast immer schiefgehen. Der Grund ist einfach: Sobald ein Mensch hört, dass er etwas falsch gemacht hat, schaltet sein Nervensystem auf Verteidigung. Er rechtfertigt sich, greift zurück oder zieht sich innerlich zurück – und das eigentliche Anliegen kommt nie an. Das passiert in Mitarbeitergesprächen genauso wie am Küchentisch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Konstruktives Feedback beschreibt ein konkretes Verhalten und seine Wirkung – es bewertet nicht die Person.
  • Die wichtigste Regel: beobachten statt bewerten. Wörter wie «immer», «nie» und «schon wieder» lösen fast sicher Abwehr aus.
  • Feedback wird angenommen, wenn es aus der eigenen Perspektive kommt («Ich habe gemerkt …») und mit einer Bitte endet, zu der das Gegenüber auch Nein sagen darf.
  • Beziehung geht vor Korrektur: Feedback, das die Verbindung beschädigt, bewirkt nichts – auch wenn es sachlich stimmt.
  • Methoden wie «Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch» oder die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation helfen beim Sortieren, ersetzen aber nicht die Absicht, den anderen wirklich zu verstehen.
  • Feedback annehmen gelingt, wenn du zuhörst, nachfragst und dir Zeit nimmst, bevor du entscheidest, was du daraus mitnimmst.

Was ist konstruktives Feedback?

Kurzantwort: Konstruktives Feedback ist eine Rückmeldung, die dem anderen hilft, etwas zu erkennen und zu verändern – im Unterschied zu Kritik, die urteilt, und zu Vorwürfen, die Schuld zuweisen. Es ist konkret, beschreibend und bezieht sich auf Verhalten, das die Person beeinflussen kann.

Der Unterschied liegt nicht im Ton, sondern im Gegenstand. Kritik sagt etwas über die Person: «Du bist chaotisch.» Ein Vorwurf sagt etwas über die Schuld: «Wegen dir haben wir den Termin verpasst.» Konstruktives Feedback sagt etwas über ein Verhalten und seine Wirkung: «Die Unterlagen kamen am Freitagabend statt am Mittwoch, und ich hatte am Wochenende keine Zeit mehr, sie zu prüfen.» Der dritte Satz enthält mehr Information und weniger Angriff.

Drei Merkmale unterscheiden hilfreiches Feedback von Bewertung. Es ist konkret: Es nennt eine Situation, nicht ein Muster. Es ist beschreibend: Es sagt, was passiert ist und was es ausgelöst hat, nicht, was der andere «ist». Und es bezieht sich auf veränderbares Verhalten: Feedback zu Dingen, die der andere nicht beeinflussen kann, ist keine Rückmeldung, sondern eine Verletzung.

Konstruktiv heisst dabei nicht «nett verpackt». Die berühmte Sandwich-Methode – Lob, Kritik, Lob – wirkt auf die meisten Menschen durchschaubar und entwertet das Lob. Konstruktiv heisst, dass der andere nach dem Gespräch mehr weiss als vorher und eine Wahl hat.

Merksatz: Kritik beschreibt, wer jemand ist. Feedback beschreibt, was passiert ist und was es bewirkt hat.

Richtig Feedback geben: Die wichtigsten Regeln

Kurzantwort: Fünf Regeln entscheiden darüber, ob Feedback ankommt oder abprallt: Beobachten statt bewerten, konkret statt allgemein, aus der eigenen Perspektive sprechen, die Beziehung über die Korrektur stellen und am Ende eine Bitte formulieren statt einer Forderung. Diese Feedback-geben-Regeln gelten im Beruf wie zu Hause.

Beobachten statt bewerten

Eine Beobachtung ist das, was eine Kamera aufgezeichnet hätte. Eine Bewertung ist deine Deutung davon. «Du warst in der Sitzung desinteressiert» ist eine Bewertung. «Du hast während der Präsentation dreimal auf dein Handy geschaut» ist eine Beobachtung. Auf die Bewertung reagiert das Gegenüber mit Verteidigung («Ich war nicht desinteressiert!»), und das Gespräch dreht sich fortan um das Wort statt um die Sache. Auf die Beobachtung kann es antworten, ohne sich angegriffen zu fühlen.

Die Warnsignale für Bewertungen sind leicht zu erkennen: «immer», «nie», «schon wieder», «typisch», «ständig». Wer diese Wörter aus seinem Feedback streicht, hat die halbe Arbeit getan.

Konkret statt allgemein formulieren

Allgemeines Feedback («Deine Kommunikation sollte besser werden») lässt den anderen ratlos zurück. Er weiss, dass etwas nicht stimmt, aber nicht, was er tun soll. Konkretes Feedback nennt eine Situation, ein Verhalten und einen Zeitpunkt: «Als du am Montag die Kundin unterbrochen hast, bevor sie ihre Frage fertig gestellt hatte, …» Je konkreter, desto weniger Raum für Missverständnisse – und desto leichter die Veränderung.

Aus der eigenen Perspektive sprechen

Feedback ist immer deine Sicht, nicht die Wahrheit. Wer das sprachlich zeigt, nimmt dem Gespräch die Schärfe: «Ich habe mich übergangen gefühlt» statt «Du hast mich übergangen». «Mir ist Verlässlichkeit wichtig» statt «Man kann sich auf dich nicht verlassen». Das ist kein Weichspülen. Es ist präziser, weil es beschreibt, was tatsächlich geschehen ist: Du hast etwas wahrgenommen, und es hat etwas in dir ausgelöst.

Beziehung ist wichtiger als Korrektur

Feedback, das die Verbindung beschädigt, erreicht nichts – auch wenn jeder Satz stimmt. Deshalb lohnt sich vor jedem Feedback die Frage: Will ich recht haben, oder will ich, dass sich etwas verändert? Wer die Beziehung im Blick behält, wählt den Moment sorgfältig, spricht unter vier Augen und bleibt im Gespräch, auch wenn der andere zunächst abwehrt. In unseren Seminaren erleben wir regelmässig: Nicht das klarste Feedback wirkt am stärksten, sondern das, bei dem sich die Person trotz der Rückmeldung respektiert fühlt.

Verbindungsbitte statt Forderung formulieren

Feedback endet oft mit einer versteckten Forderung: «Das muss sich ändern.» Wirksamer ist eine Bitte, zu der der andere auch Nein sagen kann – und noch vor der Handlungsbitte eine Verbindungsbitte: «Magst du mir sagen, wie das bei dir ankommt?» Eine Verbindungsbitte fragt nicht nach einem Resultat, sondern nach dem Kontakt. Sie zeigt, dass du nicht nur senden, sondern auch hören willst. Was Bitte und Forderung unterscheidet, erklärt der Artikel Bitte oder Forderung: Wo ist der Unterschied?.

Merksatz: Beobachtung statt Urteil, Ich statt Du, Bitte statt Forderung – und die Beziehung über die Sache.

Konstruktives Feedback: Beispiele aus dem Alltag

Kurzantwort: Die folgenden Beispiele für konstruktives Feedback stellen eine ungünstige und eine konstruktive Formulierung derselben Situation gegenüber – aus Beruf, Partnerschaft und Alltag. Der Unterschied ist jeweils derselbe: Beobachtung statt Bewertung, eigene Wirkung statt Vorwurf, Bitte statt Forderung.

SituationUngünstig (bewertend, fordernd)Konstruktiv (beobachtend, aus eigener Sicht, mit Bitte)
Beruf: Ein Teammitglied liefert Zahlen zu spät.«Du bist einfach nicht zuverlässig. So kann ich nicht planen.»«Die Zahlen kamen Donnerstagabend statt Dienstag. Ich war am Freitag unter Druck, weil ich sie für die Präsentation brauchte. Können wir schauen, was es braucht, damit Dienstag realistisch ist?»
Beruf: Eine Kollegin unterbricht in Sitzungen.«Lass die anderen auch mal ausreden.»«In der Sitzung heute hast du Lea zweimal unterbrochen, als sie ihren Vorschlag erklärte. Mir ist wichtig, dass alle Ideen ganz auf den Tisch kommen. Würdest du bei ihr nächstes Mal warten, bis sie fertig ist?»
Partnerschaft: Handy beim Abendessen.«Du hängst nur noch am Handy. Dir ist unser Gespräch völlig egal.»«Beim Essen hast du mehrmals aufs Handy geschaut. Ich war enttäuscht, weil ich mich auf diese halbe Stunde gefreut hatte. Magst du es beim Essen weglegen?»
Partnerschaft: Haushalt bleibt liegen.«Ich mache hier alles allein. Du hilfst nie.»«Diese Woche habe ich fünfmal gekocht und abgeräumt. Ich bin müde und wünsche mir, dass wir das teilen. Übernimmst du zwei Abende – und wenn nicht, was ginge für dich?»
Familie: Der Sohn (16) kommt später nach Hause als vereinbart.«Auf dich ist kein Verlass. Nächstes Mal bleibst du zu Hause.»«Wir hatten 23 Uhr abgemacht, du warst um halb eins da. Ich habe mir Sorgen gemacht. Wie können wir das lösen, damit ich ruhig schlafen kann und du deinen Abend hast?»
Freundschaft: Eine Freundin sagt kurzfristig ab.«Du sagst dauernd ab. Ich frage dich gar nicht mehr.»«Das war jetzt die dritte Absage am selben Tag. Ich bin verunsichert, ob dir unsere Treffen noch wichtig sind. Wie siehst du das?»

Die konstruktiven Formulierungen sind länger, und das ist kein Zufall: Sie enthalten mehr Information. Sie sagen, was passiert ist, was es bewirkt hat und was du dir wünschst. Die ungünstigen Sätze sind kürzer, weil sie nur das Urteil enthalten – und das Gegenüber muss den Rest erraten. Meist rät es falsch.

Merksatz: Ein Vorwurf ist ein Feedback, bei dem Beobachtung, Gefühl und Bitte weggelassen wurden.

Feedback geben: Beispielsätze, die Verbindung ermöglichen

Kurzantwort: Die folgenden Feedback-geben-Beispielsätze sind Orientierung, keine Gesprächsformeln. Sie funktionieren nur, wenn sie zu dir und zur Situation passen – wer sie auswendig aufsagt, wird gehört wie jemand, der ein Formular vorliest.

Beispielsätze für positives Feedback

Positives Feedback ist mehr als Lob. Lob bewertet («Super gemacht»); positives Feedback beschreibt, was jemand getan hat und was es bei dir bewirkt hat. Das ist konkreter, glaubwürdiger und bleibt länger hängen.

  • «Du hast in der Sitzung die Frage von Herrn Keller ruhig beantwortet, obwohl er dich dreimal unterbrochen hat. Das hat mich beeindruckt, weil mir ein respektvoller Umgang mit Kunden wichtig ist.»
  • «Danke, dass du gestern die Kinder abgeholt hast, ohne dass ich fragen musste. Ich war erleichtert und habe mich unterstützt gefühlt.»
  • «Als du mir am Telefon einfach zugehört hast, ohne mir etwas zu raten – das hat mir mehr geholfen als jede Lösung.»

Beispielsätze für kritisches Feedback

Kritisches Feedback braucht die Reihenfolge Beobachtung – Wirkung – Bitte besonders dringend. Und es braucht eine Frage am Schluss, damit der andere antworten kann, statt sich nur zu verteidigen.

  • «Mir ist aufgefallen, dass im Protokoll zwei Beschlüsse fehlen, die wir gefasst haben. Ich bin unsicher, ob alle dasselbe mitgenommen haben. Könntest du die beiden Punkte ergänzen?»
  • «Du hast vorhin vor den Kindern gesagt, ich sei zu streng. Das hat mich getroffen, weil ich möchte, dass wir Erziehungsfragen unter uns klären. Wärst du bereit, mir solche Dinge später unter vier Augen zu sagen?»
  • «Ich habe gemerkt, dass du in den letzten Gesprächen meist das Thema gewechselt hast, wenn es um die Finanzen ging. Mich beunruhigt das. Was macht es dir schwer, darüber zu reden?»

Beispielsätze für schwierige Gespräche

Wenn das Thema gross oder die Beziehung angespannt ist, hilft es, das Gespräch anzukündigen, die eigene Absicht zu benennen und zuerst eine Verbindungsbitte zu stellen.

  • «Ich möchte dir etwas sagen, das mir schwerfällt, und ich sage es, weil mir unsere Zusammenarbeit wichtig ist. Hast du gerade zehn Minuten?»
  • «Bevor ich weiterrede: Was ist von dem, was ich gesagt habe, bei dir angekommen?»
  • «Ich merke, dass ich wütend werde, und ich will dieses Gespräch nicht in Wut führen. Können wir in einer halben Stunde weitermachen?»
  • «Ich will dir nicht sagen, was du tun sollst. Ich will, dass du weisst, wie es mir damit geht – und dann schauen wir gemeinsam.»

Merksatz: Beispielsätze sind Stützräder. Fahren musst du selbst – in deinen eigenen Worten.

Feedback geben: Welche Methoden gibt es?

Kurzantwort: Zwei Methoden zum Feedback geben haben sich im Alltag bewährt: die Drei-Schritte-Formel «Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch» als einfacher Einstieg und die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation, die zusätzlich das Bedürfnis hinter der Wirkung benennen. Beide sortieren das Gespräch; keine ersetzt die Haltung.

Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch

Diese verbreitete Feedback-Formel (oft als «WWW-Feedback» bezeichnet) gliedert eine Rückmeldung in drei Schritte: Was habe ich wahrgenommen? Welche Wirkung hatte es auf mich? Was wünsche ich mir? Sie ist leicht zu merken und verhindert den häufigsten Fehler – das Urteil als erstes Wort.

Beispiel: «Ich habe wahrgenommen, dass du die letzten drei Teamsitzungen ohne Rückmeldung ausgelassen hast (Wahrnehmung). Auf mich wirkt das, als wäre dir das Projekt nicht mehr wichtig, und ich bin verunsichert (Wirkung). Ich wünsche mir, dass du mir kurz sagst, wenn du nicht kommen kannst (Wunsch).»

Die Grenze der Formel: Sie erklärt nicht, warum etwas auf dich so wirkt. Der Wunsch kann deshalb schnell wie eine Anweisung klingen.

Feedback mit Gewaltfreier Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg gliedert Feedback in vier Elemente: Beobachtung (was konkret geschehen ist), Gefühl (was es bei mir auslöst), Bedürfnis (was mir dabei wichtig ist) und Bitte (worum ich konkret bitte – oder zuerst: ob der andere mir sagen mag, was bei ihm angekommen ist). Der Unterschied zum WWW-Feedback ist das Bedürfnis: Es erklärt die Wirkung und macht aus dem Wunsch eine Bitte, hinter der etwas Nachvollziehbares steht.

Dasselbe Beispiel: «Du hast die letzten drei Teamsitzungen ohne Rückmeldung ausgelassen (Beobachtung). Ich bin verunsichert (Gefühl), weil mir Verlässlichkeit und ein gemeinsames Bild vom Projektstand wichtig sind (Bedürfnis). Wärst du bereit, mir künftig kurz zu schreiben, wenn du nicht kommst (Bitte) – und magst du mir sagen, wie es dir mit den Sitzungen geht (Verbindungsbitte)?»

Im Alltag spricht niemand so formal. Die vier Elemente sind eine Landkarte für das, was in einem Feedback enthalten sein sollte; die Worte dürfen natürlich klingen. Wie das Modell im Ganzen funktioniert, zeigt unser Grundlagenartikel Was ist Gewaltfreie Kommunikation?, die Schritte im Detail Die 4 Schritte der GFK.

Merksatz: Die Methode sortiert, was du sagst. Ob es ankommt, entscheidet, warum du es sagst.

Warum die richtige Methode allein nicht reicht

Kurzantwort: Feedback wirkt nicht wegen der Formulierung, sondern wegen der Absicht dahinter. Wer Feedback gibt, um recht zu haben oder den anderen zu korrigieren, wird abgewehrt – auch mit perfekter Technik. Wer Feedback gibt, weil ihm die Beziehung und die Sache wichtig sind und er den anderen verstehen will, wird gehört.

Menschen spüren Absichten schneller, als sie Worte verarbeiten. Ein formal einwandfreies Feedback, hinter dem Ärger und ein fertiges Urteil stehen, kommt als Angriff an – nur besser getarnt. Rosenberg nannte das die Gefahr, die Methode zur Mechanik zu machen. Deshalb beginnt gutes Feedback nicht beim anderen, sondern bei dir: mit Selbstklärung.

Selbstklärung heisst, vor dem Gespräch drei Fragen zu beantworten. Was genau ist passiert – ohne meine Deutung? Was löst es bei mir aus, und was ist mir dabei wichtig? Was will ich von diesem Gespräch – dass der andere sich ändert, oder dass wir uns verstehen? Wer die dritte Frage ehrlich beantwortet, gibt oft ein anderes Feedback als geplant.

Dazu kommt echtes Interesse am Gegenüber: Was könnte ihn dazu gebracht haben, so zu handeln? Diese Frage verändert den Ton, bevor du den ersten Satz sagst. Empathie – das Interesse daran, was im anderen vorgeht – ist nicht das Gegenteil von Klarheit, sondern ihre Bedingung. Mehr dazu im Artikel Empathie: Bedeutung, Wirkung und warum sie für Beziehungen so wichtig ist.

Merksatz: Technik macht Feedback verständlich. Haltung macht es annehmbar.

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Die häufigsten Fehler beim Feedback geben

Kurzantwort: Die meisten Feedbacks scheitern an denselben sechs Fehlern: Verallgemeinerungen, Bewertung der Person, falscher Moment, versteckte Forderungen, aufgestauter Ärger und Feedback vor Publikum. Jeder davon ist vermeidbar.

  1. Verallgemeinern mit «immer» und «nie». «Du kommst immer zu spät» ist nachweislich falsch (einmal war er pünktlich) und löst deshalb Diskussionen über das Wort statt über die Sache aus. Nenne die konkreten Male.
  2. Die Person statt das Verhalten bewerten. «Du bist unorganisiert» lässt sich nicht ändern; «Die Rechnung lag drei Wochen auf dem Stapel» schon.
  3. Der falsche Moment. Feedback zwischen Tür und Angel, vor Dritten oder wenn einer von beiden erschöpft ist, wird nicht gehört. Frage: «Passt es jetzt, oder lieber heute Abend?»
  4. Versteckte Forderungen. «Es wäre schön, wenn …» mit einem unausgesprochenen «sonst bin ich beleidigt» ist keine Bitte. Wenn du ein Nein nicht hören kannst, sag ehrlich, dass es eine Forderung ist.
  5. Aufgestauter Ärger. Wer Feedback aufschiebt, bis das Fass überläuft, gibt am Ende nicht Feedback, sondern eine Abrechnung. Je kleiner das Thema, desto früher ansprechen.
  6. Das Sandwich. Lob – Kritik – Lob wirkt durchschaubar und entwertet das Lob. Sag Positives, wenn es stimmt, und Kritisches klar – aber nicht als Verpackung.

Merksatz: Die meisten Feedback-Fehler sind keine Formulierungsfehler, sondern Zeitpunkt- und Haltungsfehler.

Wie nimmt man Feedback konstruktiv an?

Kurzantwort: Feedback annehmen heisst zuhören, nachfragen und sich nicht sofort rechtfertigen – und dann selbst entscheiden, was du davon mitnimmst. Feedback ist die Sicht eines anderen Menschen, keine Diagnose.

Der erste Impuls beim Empfangen von Kritik ist fast immer Verteidigung. Das ist normal; das Nervensystem reagiert auf Kritik wie auf Gefahr. Hilfreich ist, diesen Impuls zu bemerken und einen Moment zu atmen, bevor du antwortest. Dann: nachfragen, bis du verstanden hast, was konkret gemeint ist. «Kannst du mir ein Beispiel nennen?» ist die nützlichste Frage, die es gibt.

Danach darfst du dir Zeit nehmen. «Danke, ich lasse mir das durch den Kopf gehen» ist eine vollständige Antwort. Feedback annehmen bedeutet nicht, alles zu übernehmen – es bedeutet, es ernsthaft zu prüfen. Und hinter jedem Feedback, auch hinter ungeschickt formuliertem, steckt etwas, das dem anderen wichtig ist. Wer das hört, statt die Formulierung zu bewerten, lernt am meisten.

Merksatz: Zuhören, nachfragen, atmen – und erst dann entscheiden, was stimmt.

Feedback in Führung und Zusammenarbeit

Kurzantwort: In Teams und in der Führung gelten dieselben Regeln, nur mit höherem Einsatz: Feedback von Vorgesetzten hat mehr Gewicht, und was vor dem Team gesagt wird, wirkt auf alle. Regelmässiges, konkretes Feedback in beide Richtungen ist der wichtigste Einzelfaktor für Vertrauen in der Zusammenarbeit.

Drei Dinge unterscheiden Feedback in der Führung vom Feedback unter Gleichgestellten. Erstens die Macht: Eine Bitte der Chefin ist für Mitarbeitende selten frei verhandelbar – umso wichtiger ist, ehrlich zu sagen, was Erwartung ist und was Wunsch. Zweitens die Öffentlichkeit: Korrektur gehört unter vier Augen, Anerkennung darf vor dem Team stattfinden. Drittens die Regelmässigkeit: Ein Jahresgespräch kann nicht nachholen, was im Alltag nicht gesagt wurde.

Feedback in Teams ist kein Thema für einen Artikel, sondern für Übung. Wie wir Führungskräfte und Teams darin begleiten, zeigt die Seite Kommunikationstraining für Führungskräfte und Unternehmen.

Merksatz: Je mehr Macht du hast, desto klarer musst du zwischen Bitte und Erwartung unterscheiden.

Feedback und Gewaltfreie Kommunikation

Kurzantwort: Die Gewaltfreie Kommunikation versteht Feedback als Aufrichtigkeit: Du sagst, was du beobachtet hast, was es in dir auslöst, was dir wichtig ist und worum du bittest – und du hörst dem anderen mit derselben Aufmerksamkeit zu. Empathie und Feedback sind in der GFK zwei Seiten derselben Fähigkeit.

Was die GFK dem Thema Feedback hinzufügt, ist der Blick auf das Bedürfnis. Hinter jedem Ärger über ein Verhalten steckt etwas, das dir wichtig ist – Verlässlichkeit, Respekt, Mitgestaltung, Ruhe. Wer das benennt, gibt dem anderen etwas, mit dem er umgehen kann. «Mir ist Verlässlichkeit wichtig» öffnet ein Gespräch; «Du bist unzuverlässig» beendet es.

Dazu kommt die Haltung beim Empfangen: In der GFK wird auch Kritik als Ausdruck eines Bedürfnisses gehört. Wenn dich jemand ungeschickt kritisiert, kannst du fragen, was ihm wichtig ist, statt dich zu verteidigen. Das macht aus einem Angriff ein Gespräch. Konkrete Formulierungen und Übungen dazu findest du in Gewaltfreie Kommunikation: Beispiele & Übungen für den Alltag. Wer das an eigenen Situationen üben will, ist im GFK-Einsteigerkurs richtig.

Merksatz: Feedback in der GFK ist nicht Kritik mit besseren Worten, sondern Aufrichtigkeit mit Interesse am anderen.

Häufig gestellte Fragen

Gutes Feedback schafft Klarheit und Verbindung

Konstruktives Feedback ist weder Konfliktvermeidung noch nett verpackte Kritik. Es ist die Fähigkeit, klar zu sagen, was du beobachtet hast und was es mit dir macht – und dem anderen dabei die Würde und die Wahl zu lassen. Die Regeln sind einfach: beobachten statt bewerten, konkret statt allgemein, Ich statt Du, Bitte statt Forderung, Beziehung vor Korrektur. Schwierig ist nicht das Verstehen, sondern das Tun im Moment, in dem du dich ärgerst.

Der nächste kleine Schritt: Nimm dir ein Feedback vor, das du schon länger aufschiebst. Schreib die Beobachtung auf – nur das, was eine Kamera gesehen hätte. Schreib auf, was es bei dir auslöst und was dir wichtig ist. Formuliere eine Bitte, zu der der andere Nein sagen darf. Und dann frag, ob es gerade passt.

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Über den Autor

Benedikt Loser

Benedikt Loser
Benedikt Loser ist Co-Gründer von Fokus Empathie, zertifizierter GFK-Trainer und Assessor (CNVC), Coach und Therapeut. Seit 2012 begleitet er Menschen, Teams und Organisationen auf dem Weg zu mehr Klarheit, Selbstverantwortung und Verbindung – und hat dabei unzählige Feedback-Gespräche begleitet, in Unternehmen wie in Partnerschaften.

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